Sachverständige in modernen IT-Projekten

Wie jedes Jahr bringt das PMI mit seiner Studie „Pulse of Professions“ auch für das letzte Jahr, also 2018 einen Report auf den Markt, welcher für uns Europäer vor allem eines bedeutet: 12,7%.

An der Studie des PMI nehmen jährlich tausende Projektmanager, hunderte Projektleiter und PMO-Direktoren teil. Das Project Management Institute (PMI) ist ein weltweit führender gemeinnütziger Berufsverband für Projekt-, Programm- und Portfoliomanager. 1969 in Philadelphia gegründet hat das PMI weltweit mehr als 700.000 Mitglieder.

Platz 10 – Was bedeutet das?

Nur eine Google-Suche entfernt und wir alle können uns auf hunderten Seiten ansehen welche Projektmanagement-Methoden am häufigsten genutzt werden und wann welche Methode am sinnvollsten zum Einsatz kommt. Doch die beste Methode gibt es nicht und auch der sinnvollste Methoden-Mix ist kein Garant für den Projekterfolg. Die in der Grafik angesprochene „Verschwendung“ bedeutet das die Projekte gescheitert, oder zumindest nicht in Ihrer ursprünglichen Planung zum Erfolg / Mehrwert geführt haben.

Gründe für den Misserfolg von Projekten

Zugegeben, nach obenstehender Grafik sollte ab dieser Zeile vermutlich eher ein chinesischer Projektleiter weiter schreiben, ich versuche dennoch auf Basis meiner Erfahrungen in Konzern- und Public- Projekten sowie durch allgemein zugängliche Statistiken eine sinnvolle Auflistung der Top 5 Gründe für das Scheitern von Projekten zu liefern:

  • Anpassungen während des Projekts.
  • Schlechte Kommunikation zwischen den Teams.
  • Unklare Aufgaben und Aufgabenzuweisungen an fachfremde Projektmitglieder
  • Fehlender Kontakt zu Stakeholdern.
  • Fehlende / schlecht gelebte Projektmanagementpraktiken.

Die Herausforderung

SCRUM & KANBAN (AGILE) – meine Damen und Herren – Die Lösung für alles!
„Können wir das nicht irgendwie agil machen?“ – Die Frage der Neuzeit und wenn dann noch Digitalisierung, Industrie 4.0 sowie DevOps dazu kommt, schlägt das europäische Berater-Herz fast doppelt so schnell, voller Vorfreude auf ein langes und sicheres Projekt in Ihrem Haus!

Doch lassen wir den Spaß mal beiseite, ganz so falsch ist der Gedanke nicht, zwar ist Agilität nicht die ganze Wahrheit, doch dürfte jede Person welche die Methodenlehre zu SCRUM kennt bestätigten, dass die oben genannten Gründe für einen Projektmisserfolg ganz gut durch SCRUM abgefangen werden könnten. Dennoch bleibt es in den meisten Fällen Utopie.

Haben wir also ein Problem?

China ist ein Land in dem planerische Defizite sehr gut über die hohe „Bereitwilligkeit“ der Projektmitarbeiter kompensierbar ist. In den USA / Kanada gelten als Karriere-Pusher vor allem die eigene Arbeitsleistung, die berufliche Erfahrung und das Fachwissen. In diesen Ländern kommt man meist in Kollaboration weiter als ein Einzelkämpfer was sich auch auf die Mentalität der Menschen auswirkt.

In Deutschland hingegeben zählt vor allem das Fachwissen, die eigene Arbeitsleistung sowie die berufliche Erfahrung. Als weniger entscheidend werden soziale Kompetenzen wie Teamgeist und Fairness empfunden. Auch Sprachkenntnisse und interkulturelle Kompetenzen werden nur von wenigen als besonders karriereförderlich erachtet.

Und so kommt es, das wir in deutschen Hierarchie-Strukturen oft Menschen mit viel Erfahrung haben, welche aufgrund ihres Alters und der Zugehörigkeit im Organigramm aufgestiegen sind und nun als „Product Owner“ in agilen und zum Teil jungen, multikulturellen Teams nach SCRUM den totalen Kontrollverlust fürchten. Nein wir haben kein Problem – Uns fehlt die „Cultural Awareness“ im eigenen Land.

AGILE Dienstleister / Berater

Fast jedes Beratungshaus kann heute auch „AGILE“ oder nach deren hauseigenen und jeder anderen Methode Projekte „Managen“, zumindest auf Papier und in Ausschreibungen.
Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die meisten mir bekannten Kundenstrukturen hierarchisch und linear aufgebaut sind. Die Organisationen sind kaum auf eine agile Zusammenarbeit vorbereitet und Entscheidungen / Tagesplanungen übernimmt in den meisten Fällen der „Chef“ (m/w/d).
Projektorganisationen welche dann als Matrix Struktur darüber gestülpt werden, sind oft ineffektiv und müssen sich am Ende mehrheitlich noch immer gegenüber der eigentlichen Linie rechtfertigen.
So kommt es, das einige Dienstleister zwar bestimmte Methoden für die Projekt-Durchführung versprechen, diese jedoch aus o.g. Gründen oft nicht leben können. Im Gegenteil, viele Dienstleister nutzen „AGILE“ vorsätzlich um fehlende Projektplanung und plötzliche „Projektdynamiken“ zu erklären, denn den Kunden fehlt oft bereits die Expertise ein ausführliches Lastenheft für ein klassisches Projekt zu definieren, wenn es dann im Konsens von SCRUM um das sogenannte Product Backlog geht, nehmen viele Kunden gerne die „Hilfe“ ihrer Dienstleister an, welche nun in der komfortablen Situation sind sich das Projekt so zu gestalten wie es ihnen gefällt.

Sachverständige in IT Projekten

Wie wir bereits feststellen konnten, versuchen wir mit klassischen Unternehmensstrukturen und Methoden von Übersee das Spagat zwischen etablierter Unternehmenslandschaft und Vorgehensweisen hin zu modernen, digitalen, hoch flexiblen Konzernen zu realisieren.

Schauen wir uns den Hausbau an, welcher sich in den letzten 50 Jahren stark verändert hat. Vom Kohle-Ofen zur Luft/Luft Wärmepumpe. Von der Klingel zur Full-HD Gegensprechanlage mit Nachtsicht, eingebunden in die Hausautomation.
Auch Fahrzeuge, die Luft-, See- und Raumfahrt, alles hat sich verändert und dennoch begleitet uns ein klassisches, typisch deutsches Berufsbild all die Jahre hinweg durch alle möglichen Transformationen in Bau & Industrie Themen.

Sachverständige sind oft die erste Anlaufstelle nach einem Unfall, einem Mangel oder wenn es um Gerichtsgutachten geht.
Auch in der IT kommt die Rolle der Sachverständigen immer mehr zum Tragen.
Bereits bekannt sind EDV-Sachverständige welche im Versicherungsfall zur Überprüfung von Kurzschlüssen und Wahrscheinlichkeiten, aber auch zur forensischen Beweissicherung im Einsatz sind.

Relativ neu ist der Bereich IT-Projektmanagement. Immer mehr Unternehmen erinnern sich auch im digitalen Zeitalter an die Funktion eines Sachverständigen. Dieser kann den Kunden bereits vor Projektinitiierung unterstützen, er kann helfen die Dienstleister zu steuern und über den gesamten Projektzeitraum als „Schattenprojektleiter“ an der Seite des Kunden stehen und die Projektergebnisse fachlich und sachlich auf Basis der gemachten Vereinbarungen, aber auch des marktüblichen Standards überprüfen. Ähnlich eines Hausbaus bei dem der Sachverständige mit Ihnen die Baustelle begeht und Ihnen mitteilt ob irgendwo Auffälligkeiten zu sehen sind und wie diese beseitigt werden könnten.


Auch in IT Projekten hat die Aussage eines Sachverständigen eine gewisse Gewichtung, nicht zu Letzt da dieser auch ein Parteien-Gutachten erstellen kann welches in letzter Konsequenz auch vor Gericht zu einer Entscheidung beitragen könnte. Eine Entscheidung welche u.U. dem ein oder anderen geschädigten Kunden einen Teil seiner Projektinvestitionen wieder zusprechen könnte.

Das Ziel eines Sachverständigen ist es jedoch nicht vor Gericht zum Einsatz zu kommen, viel mehr möchten Sachverständige bereits in der Projektphase für das Eintreten des vereinbarten Projekterfolgs / Mehrwerts sorgen und dazu beitragen Kunden – Dienstleisterbeziehungen zu festigen. Sachverständige sind unbefangen und haben kein wirtschaftliches Interesse an der Förderung eines bestimmten Kunden oder Dienstleisters. Vielmehr zählt in jedem Projekt das individuell zu erreichende Projektziel.

Versuchen Sie es selbst, Planen Sie bei einem Ihrer nächsten Projekte die Unterstützung eines Sachverständigen ein und bewerten Sie selbst den dadurch resultierenden Mehrwert.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
Ihr Christian Heitzer

Quellenangabe:

https://www.mitarbeiterbefragungen.de
https://www.pmi.org/

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